Mit einem Anteil von rund 2/3, also etwa 80.000 Betroffenen in Österreich, ist die Alzheimer Krankheit die häufigste Form der Demenzerkrankungen. Mit der höheren Lebenserwartung steigt auch die Zahl der Betroffenen.
Alzheimer ist eine Erkrankung des Gehirns, die vorrangig vom fortschreitenden Verlust des Gedächtnisses geprägt ist. Im Verlauf der Erkrankung verlieren die Betroffenen nach und nach auch andere geistige Fähigkeiten wie z. B. ihr Orientierungsvermögen oder Sprechen und Sprachverständnis. Die Betroffenen werden hilfloser und sind zunehmend auf Unterstützung angewiesen.
Der Name der Erkrankung geht auf den deutschen Arzt Alois Alzheimer zurück, der im Jahr 1906 erstmals die für die Erkrankung typischen Ablagerungen im Gehirngewebe beschrieb. Ärzte bezeichnen die Erkrankung oft auch als Alzheimer-Demenz oder Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT).
Alzheimer-Patienten weisen eine Reihe typischer Veränderungen in ihrem Gehirngewebe auf. Der Verlust von Nervenzellen und Synapsen (Verbindungen zwischen den Nervenzellen) kann sich je nach Krankheitsstadium auf bis zu ein Fünftel aller Zellen belaufen. Der Signalaustausch zwischen den verbliebenen Nervenzellen ist gestört. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang der Mangel des Botenstoffs Acetylcholin, der bei der Signalübermittlung zwischen bestimmten Nervenzellen ausgetauscht wird. Beide Effekte zusammen, Zelluntergang und gestörte Funktion, führen zu dem typischen Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit, der bei Alzheimer zu beobachten ist. Unklar ist, warum die Nervenzellen absterben bzw. ihre Funktionsfähigkeit verlieren. Es ist davon auszugehen, dass der Krankheitsprozess viele Jahre, wahrscheinlich Jahrzehnte, vor dem Auftreten einer Demenzsymptomatik beginnt.
Alzheimer ist bisher nicht heilbar. Der Verlauf der Krankheit kann aber mit Medikamenten, geeignetem Training und anderen Begleitmaßnahmen verzögert werden. Die Betroffenen und ihre Angehörigen gewinnen dadurch wertvolle Lebenszeit. So schwer die Diagnose Alzheimer also auch wiegt, es können noch viele erfüllte Jahre vor den Erkrankten und ihren Angehörigen liegen. Zwischendurch sind auch vorübergehende Besserungen des Zustandes möglich.
Jedes einzelne der in Folge beschriebenen Symptome kann auch bei anderen Formen der Demenz auftreten und keines ist so charakteristisch, dass es für sich allein die Diagnose Alzheimer erlauben würde.
Für die Pflegepraxis und für Angehörige ist das „7-Stadien-Modell“ von Barry Reisberg (New York University School of Medicine’s Silberstein Aging and Dementia Research Center) hervorzuheben. Es gliedert den Verlauf der Alzheimerkrankheit in sieben Stadien:
| Stadium 1 | Keine Auffälligkeiten (no impairment) Im ersten Stadium sind keine auffälligen Symptome im Sinne eines Verlusts kognitiver Fähigkeiten vorhanden respektive sichtbar. Die betroffene Person ist von ihrem Verhalten her unauffällig und es sind keine Defizite im täglichen Leben bemerkbar. Der Patient verspürt auch keine subjektiven Beschwerden. Ebenso wenig würden klinische Gedächtnistests Rückschlüsse auf eine mögliche Erkrankung geben. Das erste Stadium wird daher auch als Latenzphase bezeichnet. |
| Stadium 2 | Sehr leichte Vergesslichkeit (very mild cognitive decline) Es treten erste, leichte Gedächtnisstörungen auf, die allerdings relativ unauffällig sind und subjektiv vielfach der normalen Altersvergesslichkeit zugeschrieben werden. Häufig benutzte Gegenstände werden öfter verlegt oder an sich bekannte Namen fallen dem Betroffenen nicht sofort ein. Objektiv ist keine Beeinträchtigung festzustellen. |
| Stadium 3 | Leichter Verlust kognitiver Fähigkeiten (mild cognitive decline) Im dritten Stadium werden erste Gedächtniseinbußen deutlich sichtbar. Vor allem bei komplexen, herausfordernden Arbeiten treten Fehler zutage. Die Leistung im Beruf nimmt ab. Der Betroffene hat vermehrt Wort- und Namensfindungsstörungen, verliert und verlegt Gegenstände und hat zunehmend Probleme, sich neue Namen zu merken oder organisatorische Aufgaben zu planen. Ebenso nehmen Orientierungsfähigkeit und Merkleistung ab. Unsicherheit und Ängstlichkeit verursachen zusätzlich Stress, wodurch sich ebenfalls die Gedächtnisleistung verschlechtert. Klinisch kann das dritte Stadium mittels Interviews und Tests diagnostiziert werden. |
| Stadium 4 | Mäßiger Verlust kognitiver Fähigkeiten (moderate cognitive decline) Im vierten Stadium sind die Einbußen evident. Es treten neben der bereits manifesten mangelnden Merkfähigkeit neuer Ereignisse, Personen oder Orte erstmalig Gedächtnislücken über vergangene persönliche Ereignisse auf, die schon länger zurück liegen. Neben der örtlichen Desorientierung, die zunimmt, treten vereinzelt auch zeitliche Orientierungsschwierigkeiten auf. Komplexe Angelegenheiten (etwa finanzielle) können nicht mehr selbst geregelt werden. Auf die kognitiven Defizite reagiert der Patient entweder mit Verleugnung (dominanter Abwehrmechanismus) oder mit sozialem Rückzug (Antriebslosigkeit, Desinteresse). |
| Stadium 5 | Mittelschwere kognitive Beeinträchtigung (moderately severe cognitive decline) Fremde Hilfe ist in allen Lebenslagen notwendig. Der Betroffene ist noch in der Lage Auskunft über seine Person oder unmittelbar nahe stehende Personen zu geben. Alltägliches Wissen wie Namen, Adressen, Jahreszahlen, momentane Uhrzeit oder Aufenthaltsort, ist nicht mehr abrufbar. Motorische Fehlleistungen sind noch nicht vorhanden, allerdings ist der Betroffene nicht mehr in der Lage aus eigenem Antrieb zu agieren. Auch bei vermeintlich einfachen Tätigkeiten, wie Zähne putzen, Kaffee kochen, Duschen oder Ankleiden braucht es die Aufforderung und Unterstützung der Pflegekraft. Patienten im mittelschweren Demenzstadium sind örtlich, zeitlich und zur Person in unterschiedlichem Ausmaß desorientiert. |
| Stadium 6 | Schwere kognitive Verluste (severe cognitive decline) Das Kurzzeitgedächtnis arbeitet nicht mehr. Der Alzheimerpatient weiß noch seinen Namen. Seine Geschichte hat er (fast) vergessen. Ebenso seine Erkrankung. Personen können wohl noch als bekannt (im Sinne von vertraut) empfunden, jedoch nicht mehr zugeordnet werden. Die verbale Ausdrucksmöglichkeit reduziert sich auf einfache Wörter und Sätze. Tag und Nacht können nicht mehr unterschieden werden. Inkontinenz tritt in diesem Stadium häufig erstmals auf. In diesem Demenzstadium kommt es meist zu massiven Persönlichkeitsveränderungen. Wahnvorstellungen, Ängste, Unruhe, zwanghaftes Wiederholen von Sätzen und Handlungen (Ticks) oder aggressives Verhalten sind möglich. |
| Stadium 7 | Sehr schwerer kognitiver Verlust (very severe cognitive decline) Die Betroffenen haben den Großteil ihrer Fähigkeiten verloren. Sprechen, gehen, stehen, sitzen, den Kopf halten, ist nicht mehr möglich. Die verbalen und motorischen Fähigkeiten kommen gänzlich zum Erliegen. |
Alois Alzheimer
Je früher eine Demenzerkrankung festgestellt wird, desto eher können medikamentöse und therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden. Diese können die Alltagskompetenz länger erhalten und die Lebensqualität verbessern. Das Fortschreiten der Krankheit kann verzögert und Symptome können gemildert werden. Eine gezielte Planung bezüglich der familiären Situation und Pflege/Betreuung als auch in rechtlicher und finanzieller Hinsicht fördern die Selbstbestimmung der Betroffenen.
Als erster Ansprechpartner bei Gedächtnisstörungen gelten Haus- oder praktische Ärzte. Diese überweisen die Patientinnen zu Fachärzten für Psychiatrie oder Neurologie oder in Gerontopsychiatrische Zentren und Memory Kliniken oder Gedächtnisambulanzen (Anmeldung nötig), die eine diagnostische Abklärung vornehmen.
Demenz hat viele Gesichter
„Die Lewy-Körper-Demenz – gestörte Signale“
Im Alter lagern sich bei manchen Menschen im Gehirn winzige Eiweißverklumpungen ab, die zu schleichenden Ausfallerscheinungen führen können. Neben der Alzheimer-Krankheit ist auch die „Demenz mit Lewy-Körperchen“ von solchen Eiweißablagerungen gekennzeichnet.
Die Symptome
Optische Halluzinationen sind ein Leitsymptom dieser Erkrankung. Weiters kommen Parkinsonsymptome wie unwillkürliches Zittern der Hände, steife Bewegungen und unsicherer Gang hinzu. Allerdings kann bei der Lewy-Körper-Demenz die Demenz bereits vor den Bewegungsstörungen auftreten – anders als bei Parkinson. Die Lewy-Körper-Demenz schreitet zudem rascher fort als die Parkinson Krankheit. Trotzdem ist die Abgrenzung der beiden Krankheiten oft nicht einfach.
Die Parkinson-Krankheit betrifft in erster Linie die Motorik. Doch kommt es bei bis zu 40% aller Erkrankten auch zu Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeiten. Die Häufigkeit der Demenz steigt mit der Dauer der Parkinson-Erkrankung und dem Alter der Patienten.
Die Ursachen
Die Parkinson-Krankheit wird durch einen Mangel an Dopamin ausgelöst, einem Botenstoff im Gehirn, der von zentraler Bedeutung für die ordnungsgemäße Steuerung von Bewegungsabläufen ist. Ursache für die Parkinson-Demenz ist – ähnlich wie bei Alzheimer – ein Mangel des Botenstoffs Acetylcholin. Dadurch wird die Signalübertragung im Gehirn beeinträchtigt, was sich in den Symptomen einer Demenz äußern kann.
Die Symptome
Anders als bei Alzheimer kommt es bei der Parkinson Krankheit zunächst nicht zu einer Beeinträchtigung des Gedächtnisses. Die typischen Symptome sind zunächst:
Bei der Pick-Krankheit konzentriert sich die Schädigung des Gehirns auf stirn- und schläfennahe Bereiche. Nach den lateinischen Namen dieser Regionen wird sie auch Frontotemporale Demenz (FTD) genannt. Die Erkrankung beginnt meist vor dem 65. und nur selten nach dem 75. Lebensjahr.
Die Ursachen
Die Entstehung der Frontotemporalen Demenz ist noch Gegenstand intensiver Forschung. Als Ursache werden derzeit genetische Mutationen bestimmter Gene vermutet.
Die Symptome
Aufgrund der Funktionen der betroffenen Hirnregionen kommt es bei der FTD besonders oft zu Verhaltensauffälligkeiten, unter denen die berufliche Tätigkeit und die Sozialkontakte der Erkrankten leiden.
Dazu gehören:
Sollte letztlich die Diagnose Demenz bestätigt werden, dann bekommen zumindest die Ungewissheit und die oft seltsam erscheinenden Anzeichen einen Namen. Dies hilft auch Angehörigen, Freunden und Bekannten, Verständnis für den betroffenen Menschen zu entwickeln. Die Diagnose erlöst häufig von einer beklemmenden Unsicherheit und lässt Raum, die nächsten Schritte zu planen.
Am Beginn einer ausführlichen Untersuchung steht das
mit den Betroffenen und einem nahen Angehörigen oder Betreuunsperson (Eigen- und Fremdanamnese). Dabei wird geklärt, wie die Betroffenen die Symptome erleben und diese darstellen, wie der Sprachgebrauch ist und wann sich erste Auffälligkeiten gezeigt haben. Eine körperliche Untersuchung (Blutdruck, Herzgeräusche, Herzrhythmusstörungen und Atemprobleme) und die Erhebung früherer Erkrankungen sind nötig.
testen die verschiedenen Leistungsbereiche des Gehirns wie Gedächtnis, Sprache und Aufmerksamkeit und sollen Aussagen über die Art der Defizite machen.
Die häufigsten Demenztests sind:
sollen Hinweise auf Atrophien, Infarkte und andere Hirnveränderungen geben und die Diagnosesicherheit erhöhen.
Eventuelle weitere bildgebende Verfahren (PET und SPECT)
Alzheimer ist eine chronische Krankheit, die zwar behandelt, aber nicht geheilt werden kann. Ihre Symptome nehmen mit der Dauer der Erkrankung an Schwere zu. Es ist deshalb notwendig, den Krankheitsverlauf in regelmäßigen Abständen beim Arzt zu überprüfen.
Empfohlen wird ein Abstand der Kontrolluntersuchungen von sechs bis zwölf Monaten. Gerade zu Beginn der Behandlung, wenn die optimale Dosis der eingesetzten Medikamente noch nicht bekannt ist, können häufigere Arztbesuche notwendig sein, um Anpassungen vorzunehmen. Ebenso sind Kontrollen angezeigt, wenn es zu raschen Veränderungen der Beschwerden kommt.
Zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit und ihrer Begleiterscheinungen stehen heute verschiedene Medikamente zur Verfügung. Ziel ist der weitgehende Erhalt der Selbstständigkeit und die Selbst- und Mitbestimmung bei einer eigenständigen Lebensführung.
Eingesetzt werden die so genannten Antidementiva. Zu ihnen gehören Cholinesterase-Hemmer, Glutamat-Antagonisten und andere Nootropika.
Mittlere bis schwere Erkrankung
Bei mittlerer bis schwerer Erkrankung können so genannte Memantine eingesetzt werden. Diese Medikamente blockieren die Wirkung von Glutamat, einem Botenstoff, mit dessen Hilfe Nervenzellen untereinander Signale austauschen.
Die Blockade von Glutamat soll das Nervengewebe vor Überreizung schützen.
Für alle zur Verfügung stehenden Medikamente gilt, dass sie lediglich den Verlauf der Erkrankung verzögern. Damit können sie die Belastung pflegender Angehöriger senken und den Erkrankten und ihren Nächsten kostbare Lebenszeit schenken.
Weitere Informationen
Weitere Informationen zur medikamentösen Behandlung finden Sie unter www.alzheimer-gesellschaft.at
Selbstverständlich müssen auch alle nicht unmittelbar mit Alzheimer zusammenhängenden Erkrankungen wie z.B. Herzleiden, Durchblutungsstörungen oder Zuckerkrankheit medikamentös behandelt werden, soweit dies erforderlich ist. Je besser der Allgemeinzustand der Patienten, desto effektiver kann dem geistigen Abbau entgegengewirkt werden.
Darüber hinaus wurden Methoden entwickelt, die den Betroffenen und Angehörigen helfen können, besser mit den Auswirkungen der Erkrankung umzugehen.
Alzheimer Patienten entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung oft eine Reihe von psychischen Symptomen und Verhaltensauffälligkeiten. Dazu gehören z. B. Schlafstörungen, Unruhe, Angstzustände, Aggressivität und Wahnvorstellungen. Diese Begleiterscheinungen sollen ebenso behandelt werden: durch Medikamente und begleitende Maßnahmen wie nicht-medikamentöse Therapien und Interventionen.
„Use it or loose it“: Lernexperten und Neurowissenschaftler verwenden gerne im Zusammenhang mit dem Erhalt der Leistungsfähigkeit des Gehirns dieses Sprichwort. Das gilt auch für Menschen mit beginnender Vergesslichkeit im Alter, sowie für Menschen mit Demenz, die durch Gedächtnistraining im Erhalt ihrer Alltagskompetenzen unterstützt werden. Dabei soll die Freude am Tun, in angenehmer stressfreier Atmosphäre im Mittelpunkt stehen. Es geht nicht um ein Messen am Können der Anderen, sondern um die persönliche Entwicklung und das Erreichen individueller Ziele. Es geht auch um das Erlernen hilfreicher Strategien um mögliche Defizite auszugleichen, z.B. Namen, Termine oder Einkaufslisten besser merken zu können oder zur Unterstützung bei Schwierigkeiten in der räumlichen oder zeitlichen Orientierung. Im höheren Alter kommt es bei vielen Menschen zu einer Verlangsamung in manchen kognitiven Bereichen, dafür aber haben sie mehr Erfahrungswissen gesammelt. Sie werden weise und klug.
Bei der Durchführung eines kognitiven Trainings zur Prävention sind folgende Faktoren zu berücksichtigen:
Die Effizienz der Übungen hängt von der Regelmäßigkeit und den Übungen selbst ab. Suchen Sie Herausforderungen, lernen Sie Neues. Ungünstig sind – Berieselung vor dem Fernseher, Inaktivität und sozialer Rückzug.
Literatur und Übungsprogramme zum Thema Gedächtnistraining finden Sie unter LITERATUR
Da die Leistungsfähigkeit meist lange Zeit gut erhalten ist, eignen sich alle zur „Prävention“ angeführten Möglichkeiten auch bei leichter bis mittlerer Demenz. Hier geht es jedoch nicht darum Neues zu erlernen, sondern um den Erhalt der individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten.
Folgende Aspekte sind zusätzlich zu beachten:
Auch hier gilt: das Training soll Freude bereiten und Spaß machen!
Am besten kombiniert man geistiges Training mit Bewegung, wie z.B. Spaziergänge, Nordic walking, Teilnahme an Bewegungsgruppen
Seit einigen Jahren kann diese These durch verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt werden: Musik ist ein Auslöser für neuronale Reorganisationsprozesse und fördert in allen Lebensaltern die Plastizität des Gehirns (auch bei Menschen mit Demenz!). Sie stimuliert komplexe kognitive, sensomotorische und affektive Prozesse im Gehirn und fördert auch im hohen Erwachsenenalter die kognitiven Fähigkeiten. Musik ist in der Lage, multiple Repräsentationen von Gedächtnisinhalten anzulegen und kann so bei nachlassender Leistungsfähigkeit des Zentralen Nervensystems (ZNS) Ausfälle kompensieren. Musik aktiviert emotionale Gedächtnisinhalte, was zu einer Steigerung von Lebensqualität von Menschen mit Demenz führen kann (Altenmueller et alii, 2014).
Häufig wird Musik deshalb auch als „Königsweg“ in der Begleitung von Menschen mit Demenz beschrieben. Gezielt eingesetzt ermöglicht Musik Begegnung, auch dann, wenn Sprache nicht mehr zur Verfügung steht. Musik besitzt einen hohen Aufforderungscharakter und schafft Verbindung zu Gefühlen und Erinnerungen. Sie ermöglicht Menschen mit Demenz, sich auszudrücken.
In der Musiktherapie wird Musik in vielfältiger Weise eingesetzt, um pflegerische und therapeutische Ziele zu erreichen, die einen funktionalen und emotionalen Bezug haben, jedoch kein musikalisches Ziel verfolgen. Musik wird beispielsweise genutzt, um Menschen mit Demenz beim Erhalt ihrer motorischen Fähigkeiten zu unterstützen, es wird jedoch kein Instrument „erlernt“. Ein professionell ausgebildeter Musiktherapeut bietet z.B. Unterstützung beim Erhalt von Fähigkeiten zu selbstbestimmtem Handeln, in den Bereichen verbale und nonverbale Kommunikation, in der Wertschätzung und im Ausdruck von emotionaler Schwingungsfähigkeit, beim Erhalt von Fähigkeiten der Grob- und Feinmotorik, des Gangbildes und der Sprache.
Ansprechpartner für Musiktherapeuten in Österreich finden Sie unter: www.oebm.org (Österreichischer Berufsverband der MusiktherapeutInnen)
Tipps für den Alltag (z.B. für die Unterstützung von Essen und Trinken mit Hilfe von Musik) geben die beiden Dipl.-Musiktherapeutinnen Simone Willig und Silke Kammer in ihrem Buch: „Mit Musik geht vieles besser – der Königsweg in der Pflege bei Menschen mit Demenz“, Vincentz Verlag, 2012 Simone Willig, Dipl.-Musiktherapeutin (FH/DMtG), Neurologische Musiktherapie, Heilpraktikerin für Psychotherapie, www.simonewillig.de
Wenn Menschen mit Demenz Einschränkungen in ihren Aktivitäten und Teilhabe an der Gesellschaft erleben, ist es sinnvoll, eine Ergotherapeutin/einen Ergotherapeut anzufragen.
Ergotherapie kann früh nach der Diagnosestellung von einer Ärztin/einem Arzt verordnet werden und dabei unterstützen, um mit der veränderten Situation umzugehen. Ein Problem von Menschen mit Demenz kann es sein, dass sie sich von Freizeitaktivitäten und sozialen Aktivitäten zurückziehen. Ziel der Ergotherapie ist es, die Selbstbestimmung in der Durchführung von Alltagstätigkeiten zu erhalten und Lebensqualität zu erhöhen. Es ist sinnvoll, betreuende oder angehörige Personen in den Therapieprozess einzubeziehen, um möglicherweise auftretenden Stress bei allen Beteiligten zu vermindern.
Häufige ergotherapeutische Interventionen: Bei Menschen mit Demenz ist eine Kernaufgabe der Ergotherapie, die Durchführung von Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) mit den bestehenden Fertigkeiten und Problemen zu erheben. ErgotherapeutInnen finden und trainieren Wege, wie Menschen mit veränderten Fertigkeiten trotzdem aktiv sein können. Die Bedürfnisse der Person mit Demenz werden dabei als Ausgangspunkt genommen. Sie unterstützen bei der Auswahl geeigneter Hilfsmittel und bei Umwelt- und Wohnraumadaptierungen (Anpassungen), um die Sicherheit von Menschen mit Demenz und ein möglichst erfolgreiches Ausführen alltäglicher Aktivitäten zu gewährleisten. Mögliche betreuende oder angehörige Personen werden dabei beraten, wie sie Menschen mit Demenz Hilfestellung im Alltag geben können (von Anziehen; Kochen; Waschen; in der Freizeit aber möglicherweise auch in der Arbeit –das wird individuell geplant). Oft werden dabei Aktivitäten vereinfacht oder in kleine Einzelschritte zerlegt.
Ergotherapie ist ein Gesundheitsberuf der an Fachhochschulen gelehrt wird und bedarf einer ärztlichen Verordnung. Nach Anfrage gibt es auch die Möglichkeit von Hausbesuchen, die oft besonders sinnvoll sind. Weitere Informationen finden Sie unter: www.ergotherapie.at. Dort ist auch eine TherapeutInnenliste mit einem Suchfeld zu finden.
Ergotherapie Austria – Bundesverband der Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten Österreichs
Holzmeistergasse 7-9/2/1, 1210 Wien
Tel.: +43/ (0)1/ 895 54 76
E-Mail: office@ergotherapie.at
Mobile Ergotherapie Wien: www.wienersozialdienste.at
Mobile Ergotherapie ist auch bei regionalen Trägervereinen angesiedelt.
ErgotherapeutInnen arbeiten aber auch in Praxen; Ambulanzen; Spitälern; Rehabilitationszentren und Langzeitpflegeeinrichtungen.
Validation ist eine Methode zur Kommunikation mit sehr alten, desorientierten Menschen.
Die Ursache für eine Desorientierung wird umfassend gesehen und nicht auf Abbauprozesse im Gehirn reduziert. Es spielt eine Rolle, welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um mit den Herausforderungen eines langen Lebens umzugehen: Verluste, unterdrückte Gefühle, Traumatisierungen, nicht gelöste Konflikte können oft schon eine Jahrzehnte dauernde schwere Belastung sein. Im Alter wächst das Bedürfnis, die losen Enden des eigenen Lebens zu verknüpfen. Oft ist es erst auf Grund der kognitiven Einbußen möglich, die ungelösten Lebensthemen auszudrücken. Jetzt brauchen diese in der Phase der Aufarbeitung befindlichen Menschen einfühlsame, nicht-wertende ZuhörerInnen, die bedingungslose Akzeptanz ihres So-Seins und das Verständnis für neue und teilweise befremdliche Ausdrucksformen.
Mit Validation kann man die nötige „Sprache“ lernen um in Kontakt zu bleiben. Dadurch wird die Würde der Betroffenen gewahrt und die Begegnungen werden freudvoller. Ein längeres Verweilen in der eigenen gewohnten Umgebung wird dadurch leichter.
Ihr finanzieller Beitrag ermöglicht es uns, Unterstützungsangebote für Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen anzubieten. Wir freuen uns über Ihren Mitgliedsbeitrag oder Ihre Spende.
Der Mitgliedsbeitrag beträgt EUR 30,– pro Jahr. Spenden sind jederzeit sehr willkommen.
Bankkonto: Alzheimer Austria
IBAN: AT24 1200 0006 4515 7314
BIC:BKAUATWW
Wir würden uns auch über Ihre ehrenamtliche Mitarbeit sehr freuen.
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