Den Alltag gestalten

Wie alle Menschen wollen auch Menschen mit Demenz ihre Fähigkeiten nutzen und benötigen sinnvolle Aufgaben. Mitunter fällt es ihnen schwer, sich selbst zu beschäftigen – daher sind Impulse von außen wichtig. Damit kann der Gefahr von Traurigkeit, Langeweile, Unsicherheit, Unruhe und Rückzug entgegengewirkt werden.

Gemeinsame Momente bewusst genießen!

Beschäftigungen im Alltag und in der Freizeit sollten als fixe Bestandteile in den Wochenplan eingebaut werden. Oft motiviert der Satz: „Bitte, kannst du mir helfen?“

Weniger ist oft mehr, keinen Anspruch an Perfektion haben, Geschwindigkeit herausnehmen, wiederholen, loben und lachen. Kreativität und Geduld sind gefragt.

Vorhandene Fähigkeiten und die Alltagskompetenz der Betroffenen so lang wie möglich zu erhalten, Körper, Geist und alle Sinne anregen, für Abwechslung und Freude zu sorgen, kann eine schöne Aufgabe für Angehörige sein.

Was können Sie tun?

Was können Angehörige tun, was sollten Sie vermeiden? Was braucht der Erkrankte?

  • Erhalten Sie so lange wie möglich die Selbständigkeit und Autonomie des Betroffenen
  • Lassen Sie ihm Wahlmöglichkeiten
  • Geben Sie ihm Beschäftigung und Aufgaben – keine Über- und keine Unterforderung
  • Achten Sie auf das, was noch gut funktioniert, erhalten Sie es und bauen Sie darauf auf
  • Behalten Sie Routinetätigkeiten bei und fördern Sie diese
  • Schaffen Sie eine Tagesstruktur, die auch Raum für persönliche Wünsche lässt
  • Pflegen Sie Gewohnheiten und Rituale
  • Gestalten Sie das Umfeld, aber führen Sie keine großen Veränderungen durch
  • Bemühen Sie sich ruhig und gelassen zu reagieren
  • Sprechen Sie immer Lob und Anerkennung aus
  • Schauen Sie auf Sicherheit
  • Lassen Sie Raum für Gefühle
  • Verzichten Sie darauf Recht haben zu wollen
  • Vermeiden Sie Appelle an die Vernunft
  • Bemühen Sie sich, nicht zu kritisieren, zu schimpfen oder abfällige Bemerkungen zu machen
  • Überprüfen Sie nicht ständig die Gedächtnisleistung des Betroffenen
  • Konfrontieren Sie ihn nicht mit seinen Defiziten, korrigieren Sie ihn nicht dauernd
  • Sprechen Sie in seiner Anwesenheit nicht über seinen Zustand
  • Mit seinen Bedürfnissen wahrgenommen und ernstgenommen zu werden
  • Das Gefühl gebraucht zu werden und zum Alltag etwas beitragen zu können
  • Aufgaben und eigene Tätigkeitsbereiche
  • Ein soziales Umfeld, das die Selbstbestimmung zulässt und sich anpasst
  • Viel Lob und Anerkennung, um das Selbstwertgefühl zu wahren
  • Eine an den individuellen Rhythmus angepasste Betreuung
  • Eine an die jeweilige Beeinträchtigung angepasste Aktivierung und Stimulierung
  • Verlässliche, einfühlsame und respektvolle Beziehungen und Begegnungen
  • Ein Umfeld, das die Würde des Betroffenen wahrt
  • Regelmäßige ärztliche Abklärung (Psychose, Depression, Infektion, Schmerzen, Delir)
  • Akzeptanz, Erfolgserlebnisse, Anerkennung und Freude

Den Alltag gestalten

Wie kann der Alltag und Tagesablauf gestaltet und Erinnerungsarbeit eingebaut werden?

  • Schmücken Sie ihn durch Rituale (Morgengruß, Abendzeremonie, schön gedeckter Kaffeetisch)
  • Sorgen Sie für eine regelmäßige Struktur: Mahlzeiten, aktive Phasen, Ruhepausen
  • Planen Sie tägliche Spaziergänge ein (Zoo, Stadtrundfahrt, Caféhaus, Schaufensterbummel, kleine Ausflüge)
  • Bieten Sie leichte Beschäftigung an (fordern, nicht überfordern), Haus- und Gartenarbeit
  • Trainieren Sie Alltagskompetenz und Gedächtnis nicht leistungsorientiert nur spielerisch
  • Schaffen Sie Situationen, die leicht bewältigbar sind und Selbstvertrauen schenken
  • Sprechen Sie möglichst alle fünf Sinne an: Sehen, Hören, Fühlen und Anfassen, Riechen, Schmecken

Körperpflege

  • Ermuntern Sie Ihren erkrankten Angehörigen so lange wie möglich zur selbständigen Körperpflege – bei Bedarf zeigen Sie die Tätigkeiten vor, z.B. Zähneputzen
  • Denken Sie daran Gewohnheiten beizubehalten
  • Schaffen Sie ein angenehmes Ambiente, z.B. mit Lieblingsdüften und genügend Zeit auch für Frisur, Kosmetik und Rasur
  • Widerstand beim Duschen und Baden ist vielleicht auf Schamgefühl zurückzuführen: Versuchen Sie externes Pflegepersonal einzuschalten

Ankleiden

  • Bieten Sie nicht zu viele Möglichkeiten bei der Kleiderwahl an, zwei reichen
  • Fördern Sie das selbständige Zusammenstellen und kritisieren Sie nicht, wenn etwas nicht zusammenpasst oder nicht richtig geschlossen ist
  • Legen Sie die Kleidung in korrekter Reihenfolge bereit
  • Geben Sie bequemer Kleidung und einfachen Verschlüssen den Vorzug
  • Wenn „schön angezogen“ wichtig war (Kostüm, Krawatte), dann empfehlen Sie es z.B. sonntags oder bei besonderen Anlässen. Sich Zurechtmachen fördert die Selbstachtung und schafft Wohlbefinden
  • Halten Sie evtl. das Lieblingskleidungsstück in doppelter Ausführung bereit; das erspart Diskussionen, wenn es in die Wäsche muss

Einkaufen

 

  • Überlegen Sie gemeinsam den Speiseplan und die Einkaufsliste und lassen Sie sich bei allen Schritten des Einkaufs tatkräftig unterstützen

Mahlzeiten vorbereiten und Kochen

  • Binden Sie die erkrankte Person, wenn es ihr Freude macht, bei den Vorbereitungen für die Mahlzeiten und beim Kochen mit ein z.B. Salat waschen, Äpfel schneiden, Teig rühren, Gemüse putzen, Kartoffeln schälen, Obst waschen, Strudel vorbereiten, etc.
  • Laden Sie sie auch zum Tisch decken, Brot und Getränke vorbereiten, Servietten falten oder Tisch abräumen ein

Putzen

  • Lassen Sie die erkrankte Person Tätigkeiten, die sie früher im Haushalt erledigt hat, auch weiterhin ausführen und bieten Sie zusätzliche Tätigkeiten an, z.B. Staubsaugen, Staubwischen, Schuhe putzen, Geschirrspüler ausräumen, Geschirr abtrocknen, Hilfe beim Wäschewaschen und Trocknen

Reparaturen

  • Bitten Sie um Handreichungen bei kleinen Ausbesserungen, Werkzeug holen, Nägel sortieren

Gartenarbeiten

  • Beziehen Sie die erkrankte Person bei der Gartenarbeit mit ein, z.B. Samen anbauen, Unkraut jäten, Verblühtes abzupfen, Obst und Gemüse ernten, Blumen gießen.

Begeben Sie sich gemeinsam mit Ihrem erkrankten Angehörigen auf eine Zeitreise in die Vergangenheit; wecken Sie Erinnerungen mithilfe alter Fotoalben und lassen Sie ihn erzählen, schauen Sie sich alte Urlaubsfilme an, blättern Sie gemeinsam Bildbände durch, hören Sie sich Lieblingsmusik von früher an, singen Sie bekannte Lieder mit, suchen Sie Erinnerungsstücke aus Schul-, Jugend- Urlaubszeit oder aus dem Arbeitsleben hervor, schauen Sie alte Kinofilme an, versuchen Sie Gedichte, Reime, Sprüche aufzusagen oder spielerisch zu ergänzen

Bewegung & Freizeit

Fördern Sie Bewegung und ermöglichen sie Freizeitaktivitäten und Reisen.

  • Ritualisieren Sie den täglichen Spaziergang und sprechen Sie über Dinge am Weg.
  • Unternehmen Sie so lange wie möglich gemeinsame Ausflüge und bringen Sie ggf. kleine Souvenirs aus der Natur mit nach Hause
  • Knüpfen Sie an frühere Hobbies an oder testen Sie probeweise etwas Neues, z.B. Nordic-Walking, Radfahren, Schwimmen, Tanzen, leichte Gymnastik; das sind nicht nur hervorragende Übungen für Beweglichkeit, Gleichgewicht, Feinmotorik, Aufmerksamkeit, Koordination und Konzentration sondern dienen auch der Sturzprophylaxe.
  • Meiden Sie unbekannte Ziele, das birgt das Gefühl von Unsicherheit und die Gefahr sich zu verirren
  • Bevorzugen Sie Gruppenreisen, damit Sie Hilfe und Ansprache haben; aber Sie müssen die Mitreisenden informieren
  • Denken Sie an Tagesausflüge, sie sind weniger anstrengend
  • Lassen Sie den Kontakt zu Verwandten, Nachbarn und Freunden nicht abreißen, aber informieren Sie die Besucher über die Erkrankung.
  • Planen Sie solche Begegnungen gemeinsam und kündigen Sie diese mehrmals vorher an.
  • Laden Sie nicht zu viele Menschen auf einmal ein, die erkrankte Person kann sich nur auf wenige Stimmen konzentrieren
  • Achten Sie darauf, den Betroffenen ins Gespräch mit einzubeziehen
  • Vermeiden Sie laute Hintergrundgeräusche
  • Kinder und Tiere bringen meistens Freude und willkommene Abwechslung. Dabei gilt: Keine Überforderung!
  • Wenn sich der Erkrankte nicht mehr wohl fühlt, muss ein vorzeitiger Abbruch möglich sein.
  • Wenn Sie früher gemeinsam Museen, Konzerte, Theater, Kino, örtliche Veranstaltungen besucht haben, dann pflegen Sie diese Gewohnheit weiterhin so lange wie möglich. Dabei gilt: ruhige Filme, Musik und kleinere Veranstaltungen bevorzugen und ggf. einen vorzeitigen Abbruch ermöglichen (Randplätze reservieren)
  • Setzen Sie sich gemeinsam zum Fernsehen, aber wählen Sie keine Actionfilme, keine schnell wechselnden Bilder, keine lauten Geräusche.
    Zu bevorzugen sind: Landschaftsdokumentationen, alte Spielfilme, Musik- und Tierfilme. Wenn notwendig, stellen Sie den Ton ab oder bieten Sie Kopfhörer an. Nehmen Sie die Lieblingssendung auf Video auf.

Kreativität & Spiritualität

Regen Sie Ihren Angehörigen an zu kreativen Aktivitäten an und schaffen Sie Rituale.

Regen Sie Ihren erkrankten Angehörigen an, Tätigkeiten von früher fortzuführen, z.B. Sammelleidenschaften, Basteln, Malen, Werken, Handarbeiten, Musikmachen oder Tanzen. Aber ermuntern Sie ihn auch, Neues zu versuchen. Angehörige sollten immer mit den Betroffenen mitmachen.

  • Beliebte Spiele sind: Mensch-Ärgere-Dich-nicht, Memory, Puzzle, Karten- und Würfelspiele, Ratespiele (Tasten, Riechen, Schmecken, Sehen), Kreuzworträtsel, Sudoku, Wortspiele, leichte Gedächtnisübungen
  • Legen Sie eine CD und Textmappe mit Volksliedern und alten Schlagern an und singen Sie gemeinsam
  • Auch das Ergänzen von Redewendungen und Sprichwörtern ist möglich oder Vorlesen und darüber sprechen bzw. vorlesen lassen
  • Spiele mit weichen Bällen

 
Beachten Sie aber, dass alle Spiele und Gedächtnisübungen der Biografie, dem Krankheitsstadium, der Tagesverfassung und den persönlichen Neigungen des Betroffenen angepasst sein müssen. Kein Leistungsdruck – es soll Spaß machen!

  • Lassen Sie Gespräche über Lebensfragen zu, wenn sich die Gelegenheit ergibt und der Betroffene darüber sprechen möchte.
  • Aus der individuellen Lebensgeschichte kann sich der Wunsch nach Gebeten, geistlichen Liedern und dem Lesen aus der Bibel ergeben. Tischgebet, Besuch von Gottesdiensten, religiöse Musik, Duft von Weihrauch können Halt und Geborgenheit geben.
  • Halten Sie Rituale bei oder schaffen Sie welche.
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