Alzheimer Angehörige Austria

 
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Tips für den Alltag

Tips für den Erkrankten

Auch wenn Sie sich jetzt noch wohl und allen Situationen gewachsen fühlen, erscheint es sinnvoll, dass Sie sich rechtzeitig gemeinsam mit Ihrer Familie, guten Freunden und Fachleuten beraten, um die kommenden Jahre nach ihren Vorstellungen zu planen.

Wenn Sie noch im Beruf stehen, denken Sie über die Pensionierung nach.

Treffen Sie gemeinsam mit der Familie, einem Rechts- und einem Finanzberater Entscheidungen über finanzielle Angelegenheiten und Besitzverhältnisse. Überdenken Sie die spätere Wohn- und Pflegesituation. Besprechen Sie mit einem Arzt wichtige medizinische Entscheidungen, evt. lebensverlängernde Massnahmen. Machen Sie eine Vertrauensperson namhaft, die bereit ist, Ihre Angelegenheiten in Ihrem Sinne zu regeln. Alle diesbezüglichen Wünsche könnten in einer Vorsorgevollmacht schriftlich festgelegt werden.

Gönnen Sie sich viele schöne Tage und erfreuen Sie sich mit Ihrer Familie und Ihren Freunden.
 

Tips für die Betreuer im Alltag

Therapie erschöpft sich nicht in gezielten Maßnahmen von Therapeuten, sondern kann problemlos in den Alltag des Kranken eingebaut werden. Hilfe bietet schon die Adaptierung des Umfeldes auf die Bedürfnisse des Kranken, das sind räumlichen Bedingungen, zeitliche Einteilung, Aktivitäten und herzliche zwischenmenschlichen Beziehungen. Am Beginn der Krankheit ist ein spezielles therapeutisches Angebot sehr wichtig. Aber mit zunehmendem Verlust der geistigen Fähigkeiten reagieren die Kranken eher auf eine ruhige, freundliche Atmosphäre und emotionale Zuwendung. Um ihnen die Selbstachtung zu erhalten, sollten sie in ihrem „Anderssein“ akzeptiert und nicht bekrittelt und verbessert werden.

Praktische Tips

Ärztliche Kontrollen von Augen, Ohren und Zähnen, rechtzeitig und regelmäßig.

Bei beginnender Vergesslichkeit:

  • grosser Kalender für alle Termine

  • wichtige Telefonnummern aufschreiben und Denkzettel anfertigen

  • Datum und Uhrzeit in den Tagesablauf häufig einfliessen lassen

  • beiläufig bei Spaziergängen erwähnen: Hier ist der Bäcker. Dort wohnt Frau X. Was zeigt die Ampel? Was kostet die Zeitung?

  • Bevorstehende Ereignisse mehrmals ankündigen

  • zusätzliche Schlüssel anfertigen bzw. Schlüssel wegnehmen (Gefahr sich einzusperren)

  • Autoschlüssel einziehen oder Auto fahruntauglich machen

  • Urkunden, Geld, Schmuck an sicherem Ort aufbewahren, evt. Duplikate anfertigen

Verstecken: Lieblingsversteck ausfindig machen, Papierkorb und Mülleimer vor Entleerung, Kleidung vor dem Waschen durchsuchen

Aggression und Unruhe nach deren Ursache forschen und diese beseitigen durch andere Aktionen ablenken.

Tagesablauf:

  • durch Rituale schmücken (Morgengruß, Abendzeremonie, schön gedeckter Kaffeetisch)

  • regelmäßige Struktur: Mahlzeiten, aktive Phasen, Ruhepausen

  • tägliche Spaziergänge (Zoo, Stadtrundfahrt, Caféhaus, Schaufensterbummel, kl. Ausflüge)

  • leichte Beschäftigung anbieten (fordern, nicht überfordern), Haus- und Gartenarbeit

  • nicht leistungsorientiert nur spielerisch Alltagskompetenz und Gedächtnis trainieren

  • Situationen schaffen, die leicht bewältigbar sind und Selbstvertrauen schenken

  • möglichst alle fünf Sinne ansprechen Sehen, Hören, Fühlen, Anfassen, Riechen, Schmecken

  • Singen, Basteln, Malen, vergnügliche Spiele und Ball spielen, leichte Gymnastik

  • je nach Biographie gezielt Musik auswählen, nicht als Hintergrundgeräusch

  • Fernsehen: Lieblingssendung auf Video aufnehmen

  • keine Actionfilme, das fördert Angst und Verwirrung, da der Kranke alles als real ansieht

  • ruhige, musische Programme aussuchen oder alte Filme

  • nach Bedarf Kopfhörer anbieten oder Ton abstellen

Besuche von Freunden und Verwandten

  • lange vorher und immer wieder ankündigen

  • nur ganz wenige Personen einladen, Zuordnung wird sonst schwierig

  • viele Menschen und diffuses Stimmengewirr verwirren

  • den Kranken ansprechen und einbeziehen

  • Besucher über Krankheit informieren, um Peinlichkeiten auf beiden Seiten zu vermeiden

Reisen solange es möglich ist

  • unbekannte Ziele evt. meiden ( Gefühl von Unsicherheit und Gefahr sich zu verirren)

  • Gruppenreisen, damit man Hilfe und Ansprache hat

  • Tagesausflüge sind weniger anstrengend

Wohnung:

  • hell und überschaubar gestalten mit wohnlicher Atmosphäre

  • viel Platz zum Wandern, evt. Rundgang anbieten, aber auch Ruhenischen einrichten

  • nur mäßig Ordnung halten, Kram herumstehen lassen, Alzheimerkranke räumen gerne

  • festes Mobiliar, Ecken abrunden, Haltegriffe in Nassräumen

  • häufig benutzte Schalter leicht erreichbar anbringen und kennzeichnen

  • Zimmertüren beleuchten und mit großen Buchstaben versehen

  • rutschfeste Bodenbeläge, keine Stolperkabel, keine Stufen

  • Muster am Boden werden als Hindernis angesehen, der Kranke ist verunsichert

Beleuchtung: kein diffuses oder indirektes Licht, es wirft Schatten und verwirrt, tagsüber hell, nachts schwache Orientierungslichter in Schlafzimmer und WC.

Bekleidung: zweckmäßig, bequem, pflegeleicht, Klettverschlüsse, Kleidung zum Anziehen bereitlegen, aber möglichst allein ankleiden lassen

Essen und Trinken
Die Kranken vergessen zu essen und zu trinken, vielleicht auch weil Geschmacks- und Geruchssinn nachlassen.

  • Trinken
    • 1,5l – 2 l pro Tag,

    • nach festem Tagesplan und oft zwischendurch in geselliger Runde durch Zuprosten zum Trinken animieren

    • bei Aufwachen auch nachts etwas anbieten

    • später Schnabeltasse und Plastikbecher verwenden, damit der Kranke nicht ins Glas beißt

  • Essen
    • der Geschicklichkeit des Kranken angepasst

    • normale Kost, nicht zu heiß, einfache Gänge nacheinander anbieten

    • Geschirr mit hohem Rand verwenden, buntes Besteck oder nur Löffel

    • beim Essen mit den Fingern die Speisen entsprechend herrichten

    • im späteren Stadium pürierte Kost, lieber weniger und öfter etwas anbieten

    • bei Schluckschwierigkeiten:

    • Medikamente als Tropfen verordnen lassen oder Tabletten unter die Speise mischen

    • pflegeleichte Umhänge beim Füttern verwenden

Körperpflege: sollte so lange wie möglich allein bewerkstelligt werden, Widerstand beim Baden und Duschen ist vielleicht auf Schamgefühl zurückzuführen.

Sprache:

  • wenige Themen, wenig Fragen, keine Entscheidungen verlangen

  • Langsam, deutlich und ruhig sprechen, einfache Sätze

  • keine abstrakten Begriffe, keine Sprichwörter verwenden

  • Gespräche zu günstigen, wachen Tageszeiten führen

  • anhand von Fotos und Erinnerungsstücken zum Erzählen anregen

  • mit Geduld die immer gleichen Geschichten des Kranken ertragen

Im Umgang mit desorientierten Menschen:

  • Keine Warum- und Wieso-Fragen stellen, sie bedingen eine Rechtfertigung

  • nicht urteilen, nicht widersprechen, nichts persönlich nehmen

  • nicht nach dem Grund fragen, aber nach Ausnahmen: war das immer so, wann ist es besser

  • sich den Gefühlen des Kranken anpassen, in seine „Wirklichkeit“ einsteigen

Körpersprache ist im späten Stadium oft der einzige Zugang

  • Mimik, Gestik und Tonfall sollten mit Satzinhalt übereinstimmen

  • mit Fingerzeig verdeutlichen

  • ruhig, klar, vertrauensvoll sprechen

  • auch stark verwirrte Menschen ansprechen, sie reagieren darauf bis zum Schluss

Aufnahme in ein Pflegeheim

Machen Sie vorher einen Besuch und achten Sie auf folgende Kriterien:

  • Ist das Heim verkehrsmässig gut zu erreichen? Ruhige, verkehrsarme Lage?

  • Mehr Wohn- oder Krankenhauscharakter? Überschaubare Raumaufteilung, sicherer Garten, Ausgänge überwachbar, ausreichende Beleuchtung und Orientierungshilfen?
  • Zimmer wohnlich? Persönliche Einrichtungsgegenstände erlaubt? Ausreichende und abwechslungsreiche Kost? Diäten und Zwischenmahlzeiten möglich? Jederzeit Getränke verfügbar? Bewohner sind gepflegt? Recht auf freie Arztwahl? Ausreichendes und qualifiziertes Personal? Häufiger Wechsel desselben?
  • Beschäftigungsangebote auch speziell für Alzheimer-Kranke?

  • Ist der Umgang mit den Kranken achtungsvoll, höflich und liebenswürdig?

  • Wird jeder mit seinem persönlichen Namen angesprochen, geduzt oder mit „Sie“?

  • Wird beim Betreten der Zimmer angeklopft?

  • Ist die Atmosphäre entspannt, wird gelacht, ist es gemütlich?

  • Erkundigt man sich beim Erstgespräch nach der Biographie und den Vorlieben des Kranken

  • und fließt das in die Betreuung ein? Geht man auf individuelle Besonderheiten ein?

  • Werden die Bewohner in den Tagesablauf mit kleinen Aufgaben eingebunden?

  • Geht man mit ihnen zur Toilette oder verlässt man sich auf Inkontinenzhilfen?

  • Wird der Kontakt zu den Angehörigen gepflegt?

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