|
|
Tips für den Alltag

Tips für den Erkrankten
Auch wenn Sie sich jetzt noch wohl und
allen Situationen gewachsen fühlen, erscheint es sinnvoll, dass Sie
sich rechtzeitig gemeinsam mit Ihrer Familie, guten Freunden und
Fachleuten beraten, um die kommenden Jahre nach ihren Vorstellungen zu
planen.
Wenn Sie noch im Beruf stehen, denken
Sie über die Pensionierung nach.
Treffen Sie gemeinsam mit der Familie,
einem Rechts- und einem Finanzberater Entscheidungen über finanzielle
Angelegenheiten und Besitzverhältnisse. Überdenken Sie die spätere
Wohn- und Pflegesituation. Besprechen Sie mit einem Arzt wichtige
medizinische Entscheidungen, evt. lebensverlängernde Massnahmen. Machen
Sie eine Vertrauensperson namhaft, die bereit ist, Ihre Angelegenheiten
in Ihrem Sinne zu regeln. Alle diesbezüglichen Wünsche könnten in einer
Vorsorgevollmacht schriftlich festgelegt werden.
Gönnen Sie sich viele schöne Tage und
erfreuen Sie sich mit Ihrer Familie und Ihren Freunden.
Tips für die Betreuer im Alltag
Therapie erschöpft sich nicht in
gezielten Maßnahmen von Therapeuten, sondern kann problemlos in den
Alltag des Kranken eingebaut werden. Hilfe bietet schon die Adaptierung
des Umfeldes auf die Bedürfnisse des Kranken, das sind räumlichen
Bedingungen, zeitliche Einteilung, Aktivitäten und herzliche
zwischenmenschlichen Beziehungen. Am Beginn der Krankheit ist ein
spezielles therapeutisches Angebot sehr wichtig. Aber mit zunehmendem
Verlust der geistigen Fähigkeiten reagieren die Kranken eher auf eine
ruhige, freundliche Atmosphäre und emotionale Zuwendung. Um ihnen die
Selbstachtung zu erhalten, sollten sie in ihrem „Anderssein“ akzeptiert
und nicht bekrittelt und verbessert werden.
Praktische Tips
Ärztliche Kontrollen von Augen, Ohren und Zähnen, rechtzeitig
und regelmäßig.
Bei beginnender Vergesslichkeit:
grosser Kalender für alle Termine
wichtige Telefonnummern aufschreiben
und Denkzettel anfertigen
Datum und Uhrzeit in den Tagesablauf
häufig einfliessen lassen
beiläufig bei Spaziergängen
erwähnen: Hier ist der Bäcker. Dort wohnt Frau X. Was zeigt die
Ampel? Was kostet die Zeitung?
Bevorstehende Ereignisse mehrmals
ankündigen
zusätzliche Schlüssel anfertigen
bzw. Schlüssel wegnehmen (Gefahr sich einzusperren)
Autoschlüssel einziehen oder Auto
fahruntauglich machen
Urkunden, Geld, Schmuck an sicherem
Ort aufbewahren, evt. Duplikate anfertigen
Verstecken: Lieblingsversteck ausfindig machen, Papierkorb
und Mülleimer vor Entleerung, Kleidung vor dem Waschen durchsuchen
Aggression und Unruhe nach deren Ursache forschen und diese
beseitigen durch andere Aktionen ablenken.
Tagesablauf:
durch Rituale schmücken (Morgengruß,
Abendzeremonie, schön gedeckter Kaffeetisch)
regelmäßige Struktur: Mahlzeiten,
aktive Phasen, Ruhepausen
tägliche Spaziergänge (Zoo,
Stadtrundfahrt, Caféhaus, Schaufensterbummel, kl. Ausflüge)
leichte Beschäftigung anbieten
(fordern, nicht überfordern), Haus- und Gartenarbeit
nicht leistungsorientiert nur
spielerisch Alltagskompetenz und Gedächtnis trainieren
Situationen schaffen, die leicht
bewältigbar sind und Selbstvertrauen schenken
möglichst alle fünf Sinne ansprechen
Sehen, Hören, Fühlen, Anfassen, Riechen, Schmecken
Singen, Basteln, Malen, vergnügliche
Spiele und Ball spielen, leichte Gymnastik
je nach Biographie gezielt Musik
auswählen, nicht als Hintergrundgeräusch
Fernsehen: Lieblingssendung auf
Video aufnehmen
keine Actionfilme, das fördert Angst
und Verwirrung, da der Kranke alles als real ansieht
ruhige, musische Programme aussuchen
oder alte Filme
nach Bedarf Kopfhörer anbieten oder
Ton abstellen
Besuche von Freunden und Verwandten
lange vorher und immer wieder
ankündigen
nur ganz wenige Personen einladen,
Zuordnung wird sonst schwierig
viele Menschen und diffuses
Stimmengewirr verwirren
den Kranken ansprechen und
einbeziehen
Besucher über Krankheit informieren,
um Peinlichkeiten auf beiden Seiten zu vermeiden
Reisen solange es möglich ist
unbekannte Ziele evt. meiden (
Gefühl von Unsicherheit und Gefahr sich zu verirren)
Gruppenreisen, damit man Hilfe und
Ansprache hat
Tagesausflüge sind weniger
anstrengend
Wohnung:
hell und überschaubar gestalten mit
wohnlicher Atmosphäre
viel Platz zum Wandern, evt.
Rundgang anbieten, aber auch Ruhenischen einrichten
nur mäßig Ordnung halten, Kram
herumstehen lassen, Alzheimerkranke räumen gerne
festes Mobiliar, Ecken abrunden,
Haltegriffe in Nassräumen
häufig benutzte Schalter leicht
erreichbar anbringen und kennzeichnen
Zimmertüren beleuchten und mit
großen Buchstaben versehen
rutschfeste Bodenbeläge, keine
Stolperkabel, keine Stufen
Muster am Boden werden als Hindernis
angesehen, der Kranke ist verunsichert
Beleuchtung: kein diffuses oder indirektes Licht, es wirft
Schatten und verwirrt, tagsüber hell, nachts schwache
Orientierungslichter in Schlafzimmer und WC.
Bekleidung: zweckmäßig, bequem, pflegeleicht,
Klettverschlüsse, Kleidung zum Anziehen bereitlegen, aber möglichst
allein ankleiden lassen
Essen und Trinken
Die Kranken vergessen zu essen und zu trinken, vielleicht auch weil
Geschmacks- und Geruchssinn nachlassen.
- Trinken
1,5l – 2 l pro Tag,
nach festem Tagesplan und oft
zwischendurch in geselliger Runde durch Zuprosten zum Trinken
animieren
bei Aufwachen auch nachts etwas
anbieten
später Schnabeltasse und
Plastikbecher verwenden, damit der Kranke nicht ins Glas beißt
- Essen
der Geschicklichkeit des Kranken
angepasst
normale Kost, nicht zu heiß,
einfache Gänge nacheinander anbieten
Geschirr mit hohem Rand
verwenden, buntes Besteck oder nur Löffel
beim Essen mit den Fingern die
Speisen entsprechend herrichten
im späteren Stadium pürierte
Kost, lieber weniger und öfter etwas anbieten
bei Schluckschwierigkeiten:
Medikamente als Tropfen
verordnen lassen oder Tabletten unter die Speise mischen
pflegeleichte Umhänge beim
Füttern verwenden
Körperpflege: sollte so lange wie möglich allein
bewerkstelligt werden, Widerstand beim Baden und Duschen ist vielleicht
auf Schamgefühl zurückzuführen.
Sprache:
wenige Themen, wenig Fragen, keine
Entscheidungen verlangen
Langsam, deutlich und ruhig
sprechen, einfache Sätze
keine abstrakten Begriffe, keine
Sprichwörter verwenden
Gespräche zu günstigen, wachen
Tageszeiten führen
anhand von Fotos und
Erinnerungsstücken zum Erzählen anregen
mit Geduld die immer gleichen
Geschichten des Kranken ertragen
Im Umgang mit desorientierten Menschen:
Keine Warum- und Wieso-Fragen
stellen, sie bedingen eine Rechtfertigung
nicht urteilen, nicht widersprechen,
nichts persönlich nehmen
nicht nach dem Grund fragen, aber
nach Ausnahmen: war das immer so, wann ist es besser
sich den Gefühlen des Kranken
anpassen, in seine „Wirklichkeit“ einsteigen
Körpersprache ist im späten Stadium oft der einzige Zugang
Mimik, Gestik und Tonfall sollten
mit Satzinhalt übereinstimmen
mit Fingerzeig verdeutlichen
ruhig, klar, vertrauensvoll sprechen
auch stark verwirrte Menschen
ansprechen, sie reagieren darauf bis zum Schluss
Aufnahme in ein Pflegeheim
Machen Sie vorher einen Besuch und achten Sie auf folgende
Kriterien:
Ist das Heim verkehrsmässig gut zu
erreichen? Ruhige, verkehrsarme Lage?
- Mehr Wohn- oder Krankenhauscharakter? Überschaubare
Raumaufteilung, sicherer Garten, Ausgänge überwachbar, ausreichende
Beleuchtung und Orientierungshilfen?
- Zimmer wohnlich? Persönliche Einrichtungsgegenstände erlaubt?
Ausreichende und abwechslungsreiche Kost? Diäten und
Zwischenmahlzeiten möglich? Jederzeit Getränke verfügbar? Bewohner
sind gepflegt? Recht auf freie Arztwahl? Ausreichendes und
qualifiziertes Personal? Häufiger Wechsel desselben?
Beschäftigungsangebote auch speziell
für Alzheimer-Kranke?
Ist der Umgang mit den Kranken
achtungsvoll, höflich und liebenswürdig?
Wird jeder mit seinem persönlichen
Namen angesprochen, geduzt oder mit „Sie“?
Wird beim Betreten der Zimmer
angeklopft?
Ist die Atmosphäre entspannt, wird
gelacht, ist es gemütlich?
Erkundigt man sich beim Erstgespräch
nach der Biographie und den Vorlieben des Kranken
und fließt das in die Betreuung ein?
Geht man auf individuelle Besonderheiten ein?
Werden die Bewohner in den
Tagesablauf mit kleinen Aufgaben eingebunden?
Geht man mit ihnen zur Toilette oder
verlässt man sich auf Inkontinenzhilfen?
Wird der Kontakt zu den Angehörigen
gepflegt?
© Alzheimer Angehörige Austria, alle
Angaben ohne Gewähr. |
|
|